
Jøtul kann auf eine mehr als 150-jährige Geschichte zurückblicken. Alles begann im Jahr 1853, als der aus Veblungsnæs bei Molde stammende Kaufmann und Bauernsohn Oluf Onsum in Loelva östlich der norwegischen Hauptstadt (die damals noch Christiania hieß) die Firma Kværner Jernstøberi gründete. Kværner begann als Hersteller von gusseisernen Waren, wobei gusseiserne Öfen zu den wichtigsten Produkten gehörten. In den Jahren bis 1900 entwickelte sich das Unternehmen zu einem der größten Ofenproduzenten Norwegens und verkaufte seine Produkte im ganzen Land.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war aus Kværner Brug eine vielseitige Firma geworden, bei der die Ofengießerei nur noch einen von mehreren Unternehmensbereichen darstellte – und nicht mehr den wichtigsten.
Kværner Brug hatte sich zu einer der größten und modernsten mechanischen Werkstätten des Landes entwickelt, die sich in erster Linie auf die Herstellung von modernen Turbinen und Maschinen für die Holz verarbeitende Industrie konzentrierte. Da sich das Unternehmen künftig vor allem diesen Bereichen widmen wollte, wurde die Ofengießerei 1916 verkauft.

Die Ofengießerei wurde vom 26-jährigen Herman Anker übernommen und in Kværner Ovnstøperi umbenannt. Anker hatte bei Kværner Brug eine meteorenhafte Karriere absolviert und war 1916 zum Einkaufsleiter aufgestiegen. Weil er sich aber vor allem für die Ofengießerei interessierte, entschied er sich, seine Zukunft diesem Unternehmensbereich zu widmen. Anker war ein Mann mit Vision. Er wollte sein neues Unternehmen auf den altehrwürdigen Traditionen der norwegischen Eisengießereien aufbauen und zugleich die künstlerischen Aspekte des Ofengusses beleben und die Produktqualität verbessern. Gleichzeitig erkannte er als einer der ersten Geschäftsleute die Bedeutung von Werbung und einer gut ausgebauten Vertriebsorganisation. 1920 gründete er Jøtul A/S, die als Vertriebsorganisation für die Kværner Ovnstøperi und drei weitere Gießereien in Ostnorwegen funktionieren sollte.

In den zwanziger Jahren wurde die Kværner Ovnstøperi hart vom wirtschaftlichen Abschwung in der norwegischen und internationalen Wirtschaft getroffen. Gegen Ende der zwanziger Jahre brachten immer höhere Schulden und sinkende Umsatzzahlen das gesamte Unternehmen ins Wanken. Im Jahr 1927, mitten in dieser schweren Krise, starb Anker im Alter von nur 36 Jahren. Kværner Ovnstøperi befand sich am Rande des Abgrunds.

Der Retter der Firma war der 34-jährige Johannes Gahr. Er hatte 1920 bei Jøtul A/S begonnen und in den folgenden Jahren eng mit Anker zusammengearbeitet. Gahr ähnelte in seinen Stärken seinem Vorgänger: Er zeigte Unternehmergeist, war dynamisch und hatte Geschäftstalent. Mit großem Mut führte er Kværner und Jøtul Ovnstøperi aus der Krise in eine neue Periode des Wachstums. 1930 leitete er eine umfangreiche und kostspielige Modernisierung der Gießerei ein, die zu einer der modernsten Gießereien Skandinaviens wurde. Die Konzentration auf Produktentwicklung und Marketing setzte sich fort und wurde durch Maßnahmen zur Effizienzsteigerung ergänzt. Im Laufe der dreißiger Jahre wuchsen Kværner und Jøtul Ovnstøperi zur größten Ofengießerei Norwegens heran. 1935 wurde der Name Kværner abgeschafft, und die Firma erhielt ihren heutigen Namen.

In den ersten zwei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Jøtul seine Marktposition in Norwegen weiter ausbauen. Diese Steigerung war möglich, obwohl sich die Marktbedingungen für traditionelle Kamine verschlechterten. Öl, Petroleum und Strom ersetzten die traditionellen Heizmethoden und zerstörten die Grundlagen für traditionelle Ofengießereien.
Gegen Mitte der sechziger Jahre war nur noch eine Handvoll an Ofengießereien übrig, von denen Jøtul die unstrittig größte war. Inzwischen hatte Jøtul aber begonnen, sich auf neue, zukunftsorientierte Märkte zu konzentrieren. Schon gegen Ende der fünfziger Jahre hatte das Unternehmen mit der Lieferung von Petroleum-Anlagen begonnen und war in den sechziger Jahren zum führenden Hersteller Norwegens in diesem rasch expandierenden Gebiet geworden. Um 1970 waren Flüssigbrennstofföfen als wichtigste Einnahmequelle von Jøtul fest etabliert.

In den siebziger Jahren begann für Jøtul eine völlig neue Ära. Aufgrund mehrerer Ölkrisen entstand in vielen Ländern eine gewaltige Nachfrage nach Holzöfen. Für Jøtul bot sich damit eine Gelegenheit, die alte Tradition der Kaminöfen wieder aufleben zu lassen. Durch ständig wachsende Exporte nach Amerika und Europa wurden Holzöfen einmal mehr zum wichtigen – und schließlich zum wichtigsten – Segment im Produktsortiment von Jøtul.
1977 beschloss die Familie Gahr, den traditionellen Familienbetrieb an Norcem zu verkaufen, einen bedeutenden, international orientierten Konzern in Norwegen. Hierdurch erhielten die Exporte von Jøtul weiteren Aufschwung. Gegen Mitte der achtziger Jahre wurden durch die Übernahme mehrerer Gießereien und Importgesellschaften in den USA und in Europa weitere Schritte auf dem Weg zu einer globalen Expansion unternommen. Gegen Ende des Jahrzehnts war Jøtul jedoch gezwungen, seine Geschäftstätigkeit im Ausland aufgrund des Wirtschaftsabschwungs in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre und weiterer unglücklicher Umstände neu zu überdenken. Die ausländischen Gesellschaften von Jøtul wurden liquidiert, und die Firma machte einen frischen Anfang auf der Grundlage der Produktion, Entwicklung und Vertriebsorganisation in Norwegen – und mit dem norwegischen Markt als wichtigsten Markt.
In den letzten zehn Jahren hat Jøtul einmal mehr ein internationales Netz aufgebaut. Heute unterhält Jøtul Filialen in den USA, in Frankreich und in Großbritannien; außerdem vertreibt die Firma direkt an Händler in Schweden, Dänemark, Finnland, Deutschland, Österreich, der Schweiz, Holland und Belgien. Darüber hinaus hat Jøtul ein Netz aus Importeuren in mehr als 20 Ländern in aller Welt aufgebaut.
2003 konnte Jøtul auf eine Firmengeschichte von 150 Jahren zurückblicken. Im Laufe dieses langen Lebens wurde das Unternehmen von Höhen und Tiefen geprägt, wobei aber die Höhen zweifellos überwogen. Gleichzeitig hat die Firma ein einzigartiges Talent an den Tag gelegt, auch in schwierigen Zeiten wieder auf die Beine zu kommen. Ein Großteil dieses Erfolges ist dem Willen und der Fähigkeit der verschiedenen Inhaber zu verdanken, sich auf das Neue und Beständige zu konzentrieren – egal ob es um neue Produkte, neue Produktionstechniken oder neue Marktstrategien ging. Aus diesem Grund ist Jøtul auch heute noch eine ausgesprochen lebendige und blühende Ofengießerei, während beinahe alle anderen norwegischen Hersteller schon vor langem auf der Strecke geblieben sind. Durch die ständige Anpassung an veränderte Marktbedürfnisse und auch durch die Erschließung neuer Märkte konnte sich Jøtul stets anhaltende Unterstützung für seine Aktivitäten sichern. Dies erklärt auch, warum Jøtul heute der weltweit einzige Hersteller von Öfen und Kaminen ist, der mehr als zwei Drittel seiner Produkte außerhalb des eigenen Inlandsmarktes absetzt.

Ein Blick auf die ältere Geschichte zeigt, dass Öfen und Feuerstellen schon Menschengedenken in Gebrauch sind. Im Laufe der Zeitalter hat sich die Funktion des Feuers natürlich dramatisch geändert, doch nichts weist darauf hin, dass das Bedürfnis nach behaglicher Wärme, nach dem visuellen Erlebnis und nach der Atmosphäre eines echten Feuers je verschwinden wird. Es gibt also allen Grund zu erwarten, dass Jøtul auch die Zukunft gut überstehen wird – vielleicht sogar weitere 150 Jahre.